Energieeffizienzklassen bei Monitoren: Was das EU-Label wirklich aussagt
Wer heute einen Monitor kauft, stolpert unweigerlich über das EU-Energielabel — jenen bunten Balken von A bis G, der bei Bildschirmen seit dem 1. März 2021 in neuer Form gilt. Viele Kundinnen und Kunden sind beim ersten Blick irritiert: Der Wunschmonitor trägt ein „E“ oder „F“, während der alte Kühlschrank zu Hause stolz ein „A++“ zeigt. Der Reflex ist verständlich, führt aber in die Irre. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Skala funktioniert, welche Angaben tatsächlich auf dem Label stehen, wo der Unterschied zum Produktdatenblatt liegt und welche Faktoren den Stromverbrauch im Büroalltag wirklich bestimmen.
Die neue Skala: A bis G, ohne Plus-Klassen
Über Jahre hinweg wurde die alte Skala durch immer neue Zusatzstufen aufgeweicht: erst A+, dann A++, schließlich A+++. Am Ende drängten sich fast alle Geräte im oberen Bereich, und das Label verlor seine wichtigste Eigenschaft — die Fähigkeit, echte Unterschiede sichtbar zu machen. Mit der Umstellung im Rahmen der EU-Energielabel-Verordnung wurde die Skala deshalb neu aufgesetzt: Es gibt wieder ausschließlich die Klassen A bis G, ohne Pluszeichen.
Entscheidend ist dabei: Die Anforderungen wurden bewusst deutlich verschärft. Die Klasse A ist am oberen Ende absichtlich fast leer gelassen worden, damit künftige technische Fortschritte noch Platz zum Aufsteigen haben. Ein Monitor, der nach alter Skala ein A+ getragen hätte, landet nach neuer Rechnung häufig bei D, E oder F. In der Praxis bewegt sich der Großteil des heute verfügbaren Monitormarktes im Bereich D bis G — das ist kein Qualitätsmangel, sondern schlicht die Konsequenz aus der neu justierten Skala.
Kurz gesagt: Ein „E“ bedeutet nicht, dass ein Gerät schlecht oder besonders stromhungrig ist. Aussagekräftig wird das Label erst im direkten Vergleich zwischen Monitoren derselben Größenklasse und Auflösung. Ein 27-Zoll-Modell mit einem D verbraucht gegenüber einem 27-Zoll-Modell mit einem F tatsächlich messbar weniger. Ein 24-Zoll-Gerät mit einem C und ein 32-Zoll-Gerät mit einem E lassen sich dagegen nicht sinnvoll gegeneinander stellen.
Was genau auf dem Label steht
Das Energielabel für Bildschirme ist standardisiert und enthält stets dieselben Angaben:
- Energieeffizienzklasse auf der Skala A bis G, hervorgehoben durch den farbigen Pfeil
- Energieverbrauch im SDR-Betrieb in kWh pro 1.000 Betriebsstunden — also im normalen Bildmodus, wie er im Büroalltag praktisch immer anliegt
- Energieverbrauch im HDR-Betrieb in kWh pro 1.000 Betriebsstunden, sofern das Gerät HDR unterstützt. Dieser Wert liegt naturgemäß höher, weil HDR-Inhalte deutlich höhere Spitzenhelligkeiten abrufen
- Bildschirmdiagonale in Zentimetern und Zoll
- Auflösung in horizontalen und vertikalen Bildpunkten
- QR-Code oben rechts, der direkt in die EPREL-Datenbank führt
Wichtig zum Verständnis der Verbrauchsangabe: 1.000 Betriebsstunden entsprechen ungefähr einem halben Jahr Bürobetrieb bei acht Stunden an fünf Tagen pro Woche. Die Zahl ist also kein Jahreswert und auch kein Wert für Dauerbetrieb — sie ist eine reine Vergleichsgröße unter genormten Messbedingungen.
EPREL: der QR-Code führt ins offizielle Register
EPREL ist die europäische Produktdatenbank für energieverbrauchsrelevante Produkte. Hersteller sind verpflichtet, jedes labelpflichtige Modell dort zu registrieren, bevor es in der EU verkauft werden darf. Der QR-Code auf dem Label führt direkt zum jeweiligen Datensatz. Der praktische Nutzen: Sie sehen dort die vom Hersteller hinterlegten Angaben aus erster Hand, unabhängig von Produktbeschreibungen im Handel, und können Modelle unmittelbar gegeneinander halten.
Label und Produktdatenblatt — zwei verschiedene Dokumente
Beide gehören zusammen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Das Label ist die grafische Kurzfassung: eine Klasse, zwei Verbrauchswerte, Größe, Auflösung. Es soll auf einen Blick verständlich sein.
Das Produktdatenblatt geht deutlich weiter. Es listet unter anderem Hersteller und Modellkennung, die Leistungsaufnahme im Ein-Zustand für SDR und HDR, die Aufnahme im Aus-Zustand, im Bereitschaftszustand und — falls vorhanden — im vernetzten Bereitschaftsbetrieb. Ergänzt wird dies um Angaben zum Bildschirmseitenverhältnis, zur Panel-Technologie, zur Bildwiederholfrequenz sowie zu Anforderungen an Materialeffizienz und Ersatzteilverfügbarkeit. Wer eine Beschaffung dokumentieren oder Geräte im Detail vergleichen muss, findet die belastbaren Zahlen dort.
Was den Verbrauch in der Praxis bestimmt
Die Labelwerte entstehen unter genormten Messbedingungen. Was Ihr Monitor am Arbeitsplatz tatsächlich zieht, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Helligkeit. Der mit Abstand größte Hebel. Displays werden ab Werk häufig sehr hell ausgeliefert, damit sie im Ladenlicht wirken. In einem normal ausgeleuchteten Büro reicht ein deutlich niedrigerer Wert — angenehmer für die Augen und spürbar sparsamer.
- Panelgröße und Auflösung. Mehr Fläche und mehr Bildpunkte bedeuten mehr Hintergrundbeleuchtung und mehr Rechenaufwand. Ein 32-Zoll-Gerät verbraucht zwangsläufig mehr als ein 24-Zoll-Gerät.
- HDR. Aktiviertes HDR treibt die Spitzenhelligkeit nach oben. Für Textarbeit, Tabellen und Web bringt es keinen Vorteil und darf abgeschaltet bleiben.
- Bildinhalt. Bei OLED-Panels hängt der Verbrauch stark vom dargestellten Bild ab; helle Vollflächen kosten deutlich mehr als dunkle Oberflächen. Bei klassischen LCDs mit durchgehender Hintergrundbeleuchtung ist der Effekt geringer.
- Energiesparmodi. Standby und Abschaltautomatik senken den Verbrauch außerhalb der Nutzung auf einen Bruchteil.
Praktische Spartipps für den Büroalltag
- Helligkeit einmalig an die Raumbeleuchtung anpassen statt auf Werkseinstellung zu belassen.
- Eco- oder Textmodus für Office-Arbeit nutzen; für Bildbearbeitung und Design bleibt der kalibrierte Modus die richtige Wahl.
- Abschaltzeit des Bildschirms im Betriebssystem kurz setzen — fünf bis zehn Minuten genügen meist.
- Bildschirmschoner mit bewegten Grafiken vermeiden: Sie halten das Panel aktiv, statt es abzuschalten.
- Feierabend und Wochenende: schaltbare Steckdosenleiste oder USV mit abschaltbaren Ausgängen beenden auch den Bereitschaftsverbrauch.
- Bei mehreren Arbeitsplätzen lohnt der Blick auf die Summe: Kleine Unterschiede pro Gerät summieren sich über eine ganze Abteilung.
Stromkosten berechnen: vom Labelwert zum Euro-Betrag
Der Energieverbrauch eines Monitors lässt sich aus dem Label mit einer einfachen Rechnung in Kosten übersetzen. Sie brauchen drei Zahlen: den SDR-Wert vom Label (kWh pro 1.000 Stunden), Ihre Betriebsstunden pro Jahr und Ihren Strompreis pro Kilowattstunde.
Formel: Labelwert × Betriebsstunden ÷ 1.000 × Strompreis = Stromkosten pro Jahr
Rechenbeispiel: Ein Monitor mit einem Labelwert von 20 kWh pro 1.000 Stunden läuft an 220 Arbeitstagen jeweils acht Stunden, also 1.760 Stunden im Jahr. Das ergibt 20 × 1.760 ÷ 1.000 = 35,2 kWh. Bei einem angenommenen Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde sind das rund 12 Euro im Jahr. Ein Gerät derselben Größe mit 15 kWh pro 1.000 Stunden käme unter denselben Annahmen auf rund 9 Euro. Setzen Sie Ihren eigenen Strompreis und Ihre tatsächlichen Laufzeiten ein — die Labelwerte der einzelnen Modelle finden Sie auf dem jeweiligen Label und im Produktdatenblatt.
Die Rechnung zeigt zweierlei: Am einzelnen Arbeitsplatz sind die Unterschiede zwischen benachbarten Klassen überschaubar. Bei zwanzig oder fünfzig Arbeitsplätzen und mehreren Jahren Nutzungsdauer wird aus wenigen Euro pro Gerät ein Posten, der in der Beschaffung eine Zeile wert ist. Und: Die Helligkeitseinstellung (siehe oben) verändert den realen Verbrauch oft stärker als der Sprung um eine Klasse.
Häufige Fragen zum Energieverbrauch von Monitoren
Gibt es Monitore mit Energieeffizienzklasse A?
Die Klasse A wurde bei der Neuskalierung 2021 bewusst so streng angesetzt, dass sie zunächst praktisch unbesetzt blieb — sie ist als Reserve für künftige Technik gedacht. Ob ein bestimmtes Modell eine höhere Klasse erreicht, lässt sich verlässlich in der EPREL-Datenbank nachsehen. Für die Auswahl im Alltag ist der Vergleich innerhalb einer Größenklasse hilfreicher als die Suche nach dem Buchstaben A: In unserer Kategorie Monitore können Sie nach der Energieeffizienzklasse filtern.
Ist ein Monitor mit Klasse E oder F ein Stromfresser?
Nein. Die Klassen beschreiben die Effizienz im Verhältnis zur Bildschirmfläche nach der verschärften Skala, nicht den absoluten Verbrauch. Ein Büromonitor mit E oder F liegt im heutigen Markt im üblichen Bereich. Den tatsächlichen Verbrauch nennt der kWh-Wert auf dem Label — mit der Formel oben rechnen Sie ihn in Kosten um.
Wie viel Strom verbraucht ein Monitor im Standby?
Die Leistungsaufnahme im Aus-Zustand und im Bereitschaftszustand steht nicht auf dem Label, aber im Produktdatenblatt. Sie liegt bei aktuellen Geräten deutlich unter dem Betriebswert. Wer den Bereitschaftsverbrauch ganz vermeiden will, trennt den Arbeitsplatz über eine schaltbare Steckdosenleiste vom Netz.
Verbraucht ein größerer Monitor immer mehr Strom?
In der Regel ja: Mehr Bildschirmfläche braucht mehr Hintergrundbeleuchtung. Deshalb kann ein 27-Zoll-Monitor mit besserer Klasse trotzdem einen höheren kWh-Wert haben als ein 24-Zoll-Monitor mit schlechterer Klasse. Für den Kostenvergleich zählt der kWh-Wert, für den Effizienzvergleich innerhalb derselben Größe die Klasse.
Label und Datenblatt direkt bei uns im Shop
In unserer Kategorie Monitore finden Sie auf jeder Produktseite das offizielle EU-Energielabel sowie das zugehörige Produktdatenblatt direkt beim Preis verlinkt — ohne Suche in externen Registern. So können Sie Klasse und Verbrauchswerte vergleichen, bevor Sie sich entscheiden. Ergänzend gilt: Gebrauchte Geräte sind nicht labelpflichtig. Die Kennzeichnungspflicht betrifft das erstmalige Inverkehrbringen in der EU. Wer gebraucht kauft, bekommt daher regelmäßig kein Label. Unsere neuen TERRA-Monitore der WORTMANN AG aus der Fertigung in Hüllhorst sind entsprechend vollständig gekennzeichnet — und auch bei den als Gebrauchtgeräte gekennzeichneten Bildschirmen in unserer Kategorie Messeware weisen wir Energieeffizienzklasse und Label aus, soweit der Hersteller das Modell in EPREL registriert hat.
Persönliche Beratung
Noch unsicher? Wir helfen bei der Auswahl.
Sie sind unsicher, welche Bildschirmgröße, Auflösung und Ausstattung zu Ihren Arbeitsplätzen passt — oder brauchen für eine Beschaffung die Datenblätter mehrerer Modelle im Vergleich? Rufen Sie uns an: +49 9231 507 82 71, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Anforderungen und empfehlen Ihnen ein Gerät, das zu Ihrem Einsatz passt — persönlich, ohne Warteschleifen-Marathon.
Weiterlesen: Größe, Auflösung und Ergonomie behandelt unser Ratgeber Monitor kaufen; wie der Bildschirm mit Notebook und Dock zusammenspielt, zeigt der Beitrag Homeoffice-Arbeitsplatz einrichten.
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